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Gunnars Bericht zum WABBA Universum 2010

Freitag 03.12.2010

Gegen 14 Uhr geht es los Richtung Alzey. Es ist zwar nicht weit, aber ist eine staugeplagte Strecke. Also sicher ist sicher. Gemeinsam mit meiner Frau Andrea, die sich ja ebenfalls für die Universum qualifiziert hat machen wir uns auf den Weg. Auf der Fahrt stellt sich mir dann auf einmal eine Frage. Ich hatte mich ja nicht nur für die Klasse body over 50 sondern auch in der Klasse men small qualifiziert. War ein Doppelstart möglich? Leider hatten wir erst 2 Tage zuvor erfahren, dass es bei der WABBA international keine Klasse für Paare gibt. Das hat mich sehr traurig gestimmt, weil das ja auch neben der Mastersklasse ein Hauptaugenmerk war. Dafür sollten Andrea und ich einen Gastauftritt machen, damit Gerhard Neumer, Weltpräsident der WABBA bei der Konferenz am Sonntag den Vorschlag machen konnte diese Klasse wieder einzuführen.

Nun ja. Kurz nach 15 Uhr trafen wir im Massa Sportzentrum Alzey ein um uns dort anzumelden. Erst einmal alle Bekannten begrüßen und noch einen Kaffee trinken. Zwischenzeitlich trafen so nach und nach auch unsere Athleten ein die wir vorbereitet hatten. Gemeinsam wurden dann die Formalitäten für Hotel und meine Frage geklärt. Doppelstart ist möglich.

Dann schnell rüber ins Hotel und auspacken. Die Lichtverhältnisse im Zimmer eher dunkel als hell, dazu ein Spiegel des Grauens ……….. kurzer Formcheck ….. okay hat sich erledigt, irgendwie hast du keine Diät gemacht und du hörst besser auf. Kurz zu Andrea rumgedreht und der Kommentar „Form passt“ und ich war schon wieder etwas beruhigter.

Kurz vor 18 Uhr ging es dann wieder ins Sportzentrum zur Athletenanmeldung. Da war der Teufel los. Die große Frage wer kommt, wie sehen die anderen aus? Das Anmelden geht mehr als zügig voran. Nochmal nachmessen für die kleine Männerklasse ……. Passt! Bin weder geschrumpft noch gewachsen. Startnummer 13. War das jetzt ein gutes oder schlechtes Omen???

Schnell wieder rüber ins Hotel, ein wenig Reis essen, den letzten Schluck trinken bevor das Wasser gesperrt wird. Dann mit Andrea und unseren Athleten ins Sportzentrum zum letzten Pumptraining. Ich fühle mich immer noch unsicher. Passt die Form wirklich? Reicht es endlich für den Titel? Nun schaut Andreas Arzt von Best Body Nutrition, meinem Sponsor und mittlerweile liebgewonnenen Freund vorbei. „Ausziehen!“ Okay Augen zu und durch. Auch hier gibt es wieder ein beruhigendes „Form passt“. Endlich ab ins Zimmer und Feierabend. Immer wieder ein bisschen essen, ausruhen und schlafen ……

Samstag 04.12.2010 Vorwahl

…… nach einer schlaflosen Nacht geht es um halb 7 zum Frühstück. Eine Kleinigkeit gegessen und gegen 9.30 Uhr geht es zur Halle, die ebenfalls sehr nahe am Hotel ist. Unser Betreuerteam war Gott sei Dank schon früher vor Ort um uns Plätze freizuhalten. Obwohl der Raum schon sehr groß war, fehlte es trotz allem wieder an Platz für alle Athleten. Gegen halb 11 werde ich dann so langsam bühnentauglich eingebräunt. Noch ein wenig pumpen und Zaubertrank trinken ……. Grauenhaft (zu dem Zeitpunkt habe ich noch nicht gewusst, dass das noch zu steigern geht).

11.15 h

Die Spannung steigt. 13 in meiner Klasse. Und was für Koffer teilweise. Over 50 gibt es ja nur eine offene Klasse. Es ist soweit. Wir gehen raus. Line-up verläuft gut. Nun die Vergleiche. Ich werde als erster raus gerufen. Noch ein zweiter Vergleich. Mehr nicht für mich. Ist das jetzt gut oder nicht? Herrliche Musik im Hintergrund. Ich kann nicht anders (wer mich kennt weiß das), ich pose fleißig zur Musik mit. Es kommen noch einige Vergleiche aber ich bin nicht mehr mit dabei. Runter von der Bühne. Das Feedback meiner Leute ist eigentlich eindeutig. Sie sehen mich alles ganz vorne. Aber wird es das auch so sein. Es gibt da den Italiener der mir gefährlich werden könnte.

Dann heißt es für mich schon wieder schick machen. Der Gastauftritt mit meiner Frau folgt. Das Posing kommt wieder sehr gut an.

Pause. Und dann wieder fertig machen für die men small. Aufstellung und raus geht’s. Mein lieber Herr Gesangsverein, was ist das. Was mache ich alter Sack in der Klasse. Aber wow. Auch hier bin ich schnell in den Vergleichen raus. Gib alles sag ich mir. Spanne richtig an, doch was höre ich da. Da hat doch was geknackt. Das hört sich nicht gut an. Egal weiterkämpfen. Ich selber sehe mich da ganz locker außerhalb des Finales, was bei dem Starterfeld keine Schande wäre und ich sowieso den Hauptaugenmerk auf die Masters gelegt habe.

Endlich nach dem Wettkampf Farbe runter und anziehen. Mit Spannung warte ich jetzt auf die Klasse meiner Frau. Die Damen kommen erst ganz zum Schluss dran. Ebenfalls ein starkes Feld, aber sie sollte auch das Finale geschafft haben.

Jetzt mal etwas warmes essen und eine Dusche. Im Sportpark gab es dann Reis (natürlich wieder ohne Salz) und ein Steak und ein bißchen was zu trinken. Dann noch ein Fotoshooting und endlich duschen. Die Leiste schmerzte immer mehr und es war wieder eine eher schlaflose Nacht.

Sonntag 05.12.2010 Finale
Den Vormittag habe ich dann eher beschaulich und ruhig verbracht. Die Finals sollten ja erst gegen 15 Uhr beginnen. Gegen 13 Uhr ging es dann wieder in die Halle. Dort gab es dann erst einmal ein Interview. Und die Leiste tat immer mehr weh. Ein Bekannter der Physiotherapeut ist, bot an mich zu massieren, damit die Schmerzen erträglich werden. Dabei die tolle Diagnose. Kurz und prägnant. „Die ist gerissen“. Sollte daß das Ende meiner Träume sein? Oh nein. Ich gebe nicht auf.

Punkt 15 Uhr ging es dann auch los mit dem Einzug der Nationen. Danach wurde gleich wieder eingeschmiert. Der Programmablauf wurde geändert und ich würde erst einmal die men small bestreiten.

Alle Athleten aus der Vorwahl gehen noch mal auf die Bühne. Dort gab es wieder ein Line-up und eine Vergleichsrunde. Nicht zu vergessen das Posedown. Danach wurden dann die Top 6 aufgerufen. Unglaublich!!! Ich war dabei. Und das bei dem Feld. Ich war dann gleich als erster mit Kür dran. Noch einmal Vergleiche und sofort die Siegerehrung. Platz 6. Damit war ich natürlich mehr als zufrieden.

Sehr zu meinem Ärger wurde ich dann gleich wieder dazu verdonnert mich hinzulegen. Denn meine Frau war ja dann dran. Wenigstens konnte ich alles mithören. Jaaaa, sie war im Finale. Auch sie hatte ihr Ziel erreicht und mit dem 5. Platz war sie auch sehr zufrieden. Kurz darauf zeigten wir dann noch mal unser Paarposing, welches auch diesmal wieder sehr gut ankam. Als Erinnerung und Dankeschön erhielten wir beide jeweils einen Pokal. Das fanden wir sehr schön und haben uns auch sehr gefreut. Anschließend gab es dann eine Pause von 15 Minuten in denen dann wieder sehr hektisch an mir gearbeitet wurde. Denn gleich nach der Pause ging es dann für mich weiter. Wieder die große Unsicherheit. Also Frage an meine Frau wie es aussieht ……. Ich hätte es mir besser sparen sollen seufz. Charmant wie immer erklärte sie mir das die Form passt, ich aber noch richtig Gas geben müsse. Die Beine richtig durchdrücken und dies und das. Das alles aufzuzählen würde jetzt hier zu lange dauern. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, dreht sie sich um und geht. Ganz toll. Aber sie weiß schon wie sie mich kriegt.

Kurz vor der Bühne erhielt ich dann wieder den geliebten Zaubertrank. Mein Gott, die Scheußlichkeit überhaupt. Hätte ich Schuhe angehabt, die Sohlen hätten sich aufgerollt. Aber was uns nicht tötet ……

Aufstellung und rauf auf die Bühne. Alle meine Freunde hatten sich die erste Reihe erobert und drückten die Daumen. Line-up, Vergleiche und wieder Posedown und wieder aufrufen der Finalisten. Die anderen Teilnehmer erhielten eine Medaille. Weiter zur Kürrunde. Mein größter Konkurrent zeigte auch eine gute Kür. Also  beim letzten Vergleich noch mal alles geben. Züruck treten zur Siegerehrung. Platz 6, 5, 4,3 und ich war nicht dabei. Da standen also nur noch der Italiener und meinereiner. Dann Vize Mr. Universum Startnummer 71. Ich musste noch mal auf meine Startnummer schauen und bin dann nur noch zusammen gebrochen. Ich hatte es geschafft. Weltmeister. Der ganze Druck und die Anspannung fielen von jetzt auf gleich von mir ab und ich konnte nicht mehr anders als meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Wilhelm Hauck, Präsident für Deutschland und Gerhart Neumer als Weltpräsident ließen es sich nicht nehmen mir höchstpersönlich die Siegertrophäe zu überreichen. Ich konnte es immer noch nicht fassen. Anschließend dann die vielen Gratulationen und Glückwünsche waren unglaublich. Vor allem natürlich die von meiner Frau bei der ich mich nun endlich bedanken konnte. Sie hatte den Hauptanteil daran, dass sich mein großer Traum endlich erfüllt hat.

Auf das Gesamtsiegerstechen habe ich dann aufgrund meiner Verletzung verzichtet. Obwohl es sicherlich auch viel Spaß gemacht hätte mit Daniel Toth gemeinsam auf der Bühne zu stehen.

Abschließend ging es dann noch zum Bankett und es wurde noch reichlich gefeiert.